Manche können die Worte wirklich nicht mehr hören, andere versprechen
sich dagegen von Dynamic Packaging die ultimative Lösung und scheuen sich nicht
darauf hinzuweisen, dass DP einem dringenden Kundenwunsch entspricht. Doch das halte
ich schlicht für falsch. Warum?
Wenn DP lediglich dazu benutzt wird, die in der eigenen Datenbank vorgehaltenen Flug- und Hotelkapazitäten noch flexibler zu kombinieren, so bedeutet jede Anstrengung in diese Richtung herausgeworfenes Geld. Da sind die heutigen Angebote bereits flexibel genug und in ihrer Darstellung vom Kunden leichter abzufragen und zu vergleichen als durch ein mehr oder weniger mühsames dynamisches Schnüren von Paketen.
Kunden, die ohne gezielte Vorgaben schnell nach einer ihnen zusagenden Reise suchen wollen, werden daher von DP eher irritiert und abgehalten.
Richtig Sinn macht DP nur bei einer totalen Vernetzung aller am möglichen Paketinhalt beteiligter Leistungsträger. Das klingt übertrieben und vermessen, trifft aber vermutlich den Nagel auf den Kopf. So lange dies nicht der Fall ist, wird der gezielt suchende Kunde immer L�finden und danach die Seite aus seinen Lesezeichen streichen. Gehen wir aber einmal davon aus, dass der Kunde das gesuchte Hotel und einen zeitlich passenden Flug gefunden hat. Das garantiert immer noch nicht die Buchung. Bevor der Kunde diese auslöst möchte er sicher sein, dass er bei getrennten Buchungen nicht preiswerter fahren würde. Er wird dies prüfen. Die Antwort ist ja nur wenige Klicks entfernt.
Erfahrungsgemäß haben planende Urlauber von Anfang an bereits ziemlich genaue Vorstellungen. Diese suchen sie preislich zu verbessern und gegebenenfalls zu reservieren. Das geht nach ihren Erfahrungen am einfachsten getrennt. Den doppelten Aufwand zählen sie dabei nicht, sparen sie doch damit vielleicht Geld. Doch das ist nicht alles, aus Sicht der Kunden ist auch das Ändern oder Stornieren bei getrennten Buchungen einfacher. Eine Überlegung, die besonders für Teilstornos zutreffend ist.
Fazit: Um mit Dynamic Packaging genügend Urlauber auf eine Website zu ziehen
muss das verfügbare Flug- und Hotel-Angebot riesig sein, der Paketpreis muss
attraktiv und das Packen einfach sein.
Das ist technisch alles machbar, ist aber auch teuer. Ein Glück für den
Kunden, dass er darauf nicht warten muss, er kommt auch ohne DP zum Ziel.
Dies zeigt wiederum, dass der Kunde ganz gut mit vielen Domain-Namen umgehen kann.
Er lernt seine für ihn wichtige Spezialseiten kennen und verzichtet gerne auf
den Marktplatz, der sein Versprechen "alles aus einer Hand" doch nicht halten kann.
Für dieses skizzierte Kundenverhalten sprechen auch die Erfahrungen, die
in anderen Branchen gemacht wurden.
So verbinden zwar viele Nutzer Amazon mit Büchern, aber nur noch wenige
tun dies bei CDs oder DVDs. In dieser Art gibt es unzählige Beispiele. Was
gestern noch ganz anders aussah, ist längst überholt. Dafür haben
nicht zuletzt die verbesserten Ergebnisse der Suchmaschinen gesorgt.
Noch deutlicher zeigen dies die Zahlen aus den USA. Dort haben 79 Prozent der Kunden, die im Internet einen Flug buchten und dazu eine weitere Leistung benötigten, diese getrennt gebucht. Die Angebote von Dynamic Packaging konnten die US-Bürger nicht überzeugen.
Der Kunde will also in der Mehrzahl lieber getrennt buchen. Also muss man seinem
Wunsch nach getrennten und thematisch eindeutigen Homepages entgegenkommen. Mit
Einzellösungen kann man viel leichter den Hauch des Spezalisten vermitteln und
diese trotzdem als Basis für ein zusätzliches kombiniertes Angebot nutzen.
In einem oder zwei Jahren sieht man dann, welche Variante erfolgreicher war und
versäumt hat man in dieser Zeit nichts.
Die technische Definition von Kai Hannemann zum Thema Dynamic Packaging ist kurz
und zutreffend. Er bezeichnet Dynamic Packaging als eine notwendige Anpassung der
vorhandenen unflexiblen Buchungssysteme an den Umgang mit bislang ungekannten
Tagespreisen.
Auf diese Überlegung hat als wohl erster Dienstleister travel-IT mit der Erweiterung ePackage aufgesetzt. Täglich erstellt das System aus allen verfügbaren Bausteinen alle möglichen Varianten. Diese "dynamischen" Pauschalreisen werden im Display gemischt mit den Katalog- und Lastminute-Reisen angeboten. Das macht Sinn, spart es doch Zeit und vereinfacht es den Vergleich.
Willi Verhuven in der FVW vom 04.02.05
Auf die Frage, ob Alltours auch auf Dynamic Packaging setzen werde, antwortete
Will Verhuven, dass er Dynamic Packaging nur für einen Modezug arbeitssuchender
Manager halte.
Das Beispiel von Thomas Cook - 30.05.05
Wie unbefriedigend Dynamic Packaging sein kann, zeigt ein Portal von Thomas Cook.
Für Antalya wurden nur zwei und für Venedig nur ein einziges Hotel
angezeigt. Ein Wechsel in die Auswahl Rom blockierte das System und zeigte unentwegt
das Hotel in Venedig an. Da kommt wahrlich keine Urlaubsfreude auf.
flexibletrips.com
Christian Wüst und Ingo Burmester in der FVW vom 09.12.09
Nach Schätzungen von Thomas-Cook Bausteinmanager Christian Wüst werden heute
schon mehr als sechs Prozent des Pauschalreisemarktes mit der neuen Technik produziert.
TUI-Touristikchef schätzt den Anteil perspektivisch auf zehn Prozent - mehr
allerdings auch nicht. (Das ist beides nicht viel. Anm.)