Legt die Bahn den Fahrkartenverkauf auf Eis?
15. Dezember 2004

Überrascht oder erstaunt darf man über die aktuellen Ideen der Bahn, demnächst Fahrkarten beim Discounter anzubieten, wirklich nicht sein. Dem Image der Bahn kann dies eigentlich nicht mehr schaden, das Image ist ja sowieso schon hin.

Werden also neue Angebotsformen mehr Menschen in die Züge bringen? Wird man bald das "Schöne Wochenende Ticket" im Bundle mit einer Familien- Picknick-Box aus der Aldi-Tiefkühltruhe als Angebot der Woche kaufen können? Werden Fahrkarten für CityNightLine zusammen mit kariertem Flanellschlafanzug und Zahnputzmittel als Anti-Stress-Packung ihren Weg in den Einkaufswagen finden?

Solche Visionen werden vermutlich viele Menschen belächeln, andere werden sie sehr gescheit in unzähligen Meetings diskutieren und dort wahrscheinlich für gut befinden. Die Mehrzahl wird sich aber wieder einmal in ihrer Auffassung bestätigt sehen, dass die Bahn ihre Kunden, und ganz besonders die Wünsche ihrer Kunden überhaupt nicht kennt. Die mangelnde Akzeptanz der Angebote der Bahn liegt doch nicht an fehlenden Verkaufsstellen. Dafür sind andere Fehler verantwortlich.

Viele dieser Fehler oder Ursachen sind bekannt und werden ständig diskutiert, manchmal auch behoben. Nur über den Hauptgrund, dem Tarif, ist es in der Diskussion ruhiger geworden, geblieben ist das Problem, dass der neue Tarif im Kopf und Herzen der Menschen nie zur Funktion geworden ist.

Der Bahn-Tarif wirbt auch nicht um Vertrauen. Kann er auch nicht, die häufigen, oft gravierenden Änderungen in den letzten Jahren signalisieren dem Kunden doch deutlich, dass er dem Tarif nicht trauen kann, dass dieser nicht verlässlich ist, dass er ihm nicht erlaubt, sich an ein ihm zusagendes Reiseprofil zu gewöhnen. Hier sollte die Bahn ansetzen.

Natürlich ist es richtig, dass die Bahn-Tarife irgendwie einfacher geworden sind. In Bezug auf Anwendung und Kauf wird dies aber immer noch anders gesehen.
Diese Unsicherheit verpflichtet die Menschen mehr denn je Beratung zu suchen. Doch wo, beim wem, zu welchen Kosten? Auf der Strecke bleiben deshalb besonders die spontanen Reiseideen. Vielleicht wären sie das Salz in der Suppe.

Empfehlung
Das obere und mittlere Bahn-Management sollte sich einmal ein Jahr lang seine Bahnfahrkarten selbst bestellen und kaufen. Genau wie in der Geschäftswelt und bei den privaten Bahnkunden sollte dabei die Vorgabe sein, die Fahrten möglichst wirtschaftlich zu planen und kostenbewusst zu kaufen.

Vielleicht würde eine solche interne Maßnahme endlich die richtigen Erkenntnisse bringen. Aber beides wäre unbequem und wird deshalb nicht kommen.

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