Fällt der CRS-Bonus der Diplomatie zum Opfer?
18. Oktober 2003

Die Forderung der Reisebüros nach einer Beteiligung der Leistungsträger an den CRS-Kosten ist so alt wie der Wegfall der gedruckten Vakanzlisten der Reiseveranstalter und der Tarifunterlagen von Bahn und Lufthansa. Ja selbst Anmeldungen konnten auf einmal nicht mehr schriftlich weitergeleitet werden, der Anschluss an START (später auch an andere CRS) wurde zum kostenträchtigen Muss.

Seitdem wurde immer wieder diskutiert, gefordert und angeboten. Doch die Angebote bröckeln. Von Beginn an hatten etliche Leistungsträger sofort den Bonus angeboten. Die Gründe dazu waren sicherlich unterschiedlich. Einerseits wollte man den Reisebüros den Umstieg schmackhaft machen, denn man erwartete ja durch die Nutzung der Technik einen hohen Rationalisierungseffekt für sich selbst. Andererseits war die Branche nach dem Erfolg von Peter Maciejewski HGB-erfahren und deshalb ein juristisch sicherer Weg auf jeden Fall empfehlenswert. Schließlich spielte häufig auch Marketing und Wettbewerb bei den Entscheidungen eine wichtige Rolle.

Wie bereits angedeutet, mit der Zeit bröckelte die Bereitschaft zu zahlen. Der eine oder andere Veranstalter stellte entweder die Zahlungen ganz ein oder verbrämte dies mit einem sowieso geplanten neuen Provisionssystem. Andere reduzierten einfach die entsprechenden Gutschriften, manchmal sogar erheblich.
So geschah es auch im Frühherbst 1998 bei der TUI. Damals gab es beim DRV noch nicht das Säulensystem und die einzelnen Ausschüsse wurden von den Vorstandsmitgliedern geleitet. Als verantwortlich für den IT-Ausschuss sprach ich umgehend mit dem DRV-Präsidenten G. Hessselmann und forderte Einspruch an. G. Hesselmann kündigte grünes Licht an und bat um zwei Tage Bedenkzeit. Er brauchte diese Zeit nicht. Bereits nach einem Tag hatte ihn die Vorsitzende des DRV-Ausschusses Mittelstand M. Hiecke davon überzeugt, dass sie das Problem lieber in einem diplomatischen Gespräch mit Norbert Munsch bereinigen würde.

Aus dem diplomatischen Gespräch ist wohl nichts geworden. Die nächsten fünf Jahre wurden beim DRV diplomatisch verschlafen. Dass nun ausgerechnet die diplomatischen Bremser von damals das Thema mit dem bekannten Tenor wieder auf den Tisch bringen, birgt schon eine gewisse Ironie. Der Verband kann dadurch aber keinesfalls dem Vorwurf entgehen, dass er in den vergangenen vier bis fünf Jahren etwas versäumt hat, was nun seinen Mitgliedern Millionen kostet. Zumindest hier muss sich manches Reisebüro fragen, für was es wohl seine Beiträge gezahlt hat?

Betroffen werden aber auch die Reisebüroketten oder Kooperationen sein, bei denen der Bonus bereits in den Vergütungen enthalten ist. Denn etwas das es nicht mehr gibt, kann man auch nicht integrieren.

Dass es auch anders geht, haben der AAGG (Vorgänger des RBB) und der RBB gezeigt. Bereits Mitte der 80er Jahre wurde ein DB-Gutachten in Auftrag gegeben, welches Grundlage für ein Abkommen zwischen der Bahn und ihren Verkaufsagenturen wurde. Die Höhe der CRS-Gebühren wurde in der langen Zeit nur einmal und aus nachvollziehbaren Gründen etwas reduziert. Natürlich wollte auch die Bahn in dieser Zeit mehr als einmal diese Boni in die Provisionen einbeziehen. Doch es gelang dem RBB immer wieder die Bahn zu überzeugen, diesen Gedanken fallen zu lassen.

Ohne Handeslvertreterstatus kein Bonus?     15. Dezember 2003
Es sieht schlecht aus für die Reisebüros. In den Bereichen, in denen das Reisebüro zum Händler wird, hat es Zukunft keinen Anspruch mehr auf kostenlose Zurverfügungstellung der für den Verkauf notwendigen Unterlagen.
Die ersten Signale sind schon da. Die GDS kündigten damit bereits Gebührenänderungen an, die höhere Belastungen für die Agenturen nicht ausschließen.

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