Dem DRV fehlen die Personalalternativen
23. August 2004

Obige Überschrift ist der FVW vom 06. August entnommen. Klaus Hildebrandt stellt dort fest, dass heute immer weniger Mittelständler Zeit und den wirtschaftlichen Freiraum haben, um sich der Verbandsarbeit zu widmen. Das ist sicher richtig und doch nur die eine Seite.

Die andere und sogar sehr aktuelle Seite ist, dass es durchaus, vielleicht zurzeit sogar gerade erst recht, schon manchen Mittelständler reizen würde sich für die Brancheninteressen einzusetzen. Doch in Gesprächen offenbart es sich immer wieder sehr deutlich, kaum einer sieht dazu im DRV eine realistische Chance.

Das sowohl Paradoxe als auch Traurige ist, dass die Chancen etwas zu bewegen dort "unten" genau so gering sind wie "oben". "Unten" werden Ausschüsse eingerichtet und damit für "oben" Kompetenz simuliert. Dafür werden dann auch "oben" die Entscheidungen getroffen, von denen wiederum "unten" oft erst später erfährt, oder aus der Presse. Das sind dann so richtige Motivationsschübe.

Das war natürlich nicht immer so. In der Zeit vor dem Säulen-Modell kandidierten die Bewerber nicht nur für einen Platz im Vorstand, sondern sie bekannten sich bereits vor der Wahl zu einem Fachgebiet, welches sie vertreten wollten. Die vermittelte Kompetenz, weckte Erwartungen und schaffte Kontakte zur Basis. Heute kennen kaum alle Mitarbeiter des DRV alle Vorsitzende der Ausschüsse, wie sollen es da die Mitglieder können?

Früher haben die gewählten Vorstände auf die Zusammensetzung ihrer Ausschüsse allein schon aus eigenem Interesse regen Einfluss genommen, galt es doch eine möglichst kompetente und mitarbeitende Mannschaft zu formen. Dies gelang fast immer und schmiedete und festigte das Teamdenken. "Unten" wusste, dass die besprochenen Gedanken und Anregungen "oben" zumindest gehört wurden. Schließlich war ja der eigene Teamleader einer von "oben" und wer "unten" gut war, wurde "oben" auch wirklich wahrgenommen.

Früher konnten die Ausschüsse auch selbst mehr Politik machen. Doch dieser Einfluss ist Vergangenheit und reizt deshalb nicht mehr.

Heute werden die Ausschussmitglieder zwar immer noch vom Vorstand berufen. Doch das gezielte Eigeninteresse der Vorstände früherer Tage, ist nun den Vorschlagslisten der Geschäftsführung gewichen. Eine die Effizienz lähmende Situation. Ein treffendes Beispiel dazu waren die Bemühungen den Reisebüro-Bahn-Beirat in den DRV zu integrieren. Manches erfahrene Mitglied hätte gerne weiter im Ausschuss mitgearbeitet, machte dies aber von der Person des Vorsitzenden abhängig. Monatelang verstand es der DRV diese Frage unbeantwortet zu lassen und löste damit den Verzicht etlicher Kolleginnen und Kollegen aus. Nicht wenige Insider sehen dieses Vorgehen als einen Kardinalfehler von Hans Doldi an. Auf jeden Fall kommt der DRV so nicht zu Personalalternativen.

Auffällig, dass die Ausschüsse Bahn und Berufsbildung bis heute noch keinen Vorsitzenden gewählt haben. Trotzdem fühlt sich dort Hans Doldi in dieser Position - und bremst die Alternativen.

Eine entmutigende Situation entsteht auch sehr leicht, wenn der Vorsitzende eines Ausschusses nicht selbst dem Vorstand angehört. "Unten" hat dann "oben" einfach keine Lobby, also auch kaum eine Chance mit der Runde der Entscheidungsträger unmittelbar zu diskutieren. Die Kommunikation von "unten" nach "oben" ist einfach an vielen Stellen unterbrochen. Besser klappt die Gängelung von "oben", löst dafür aber häufig Unverständnis und Unlust aus. In diesem Zusammenhang kann es durchaus geschehen, dass "unten" über zu deutlich formulierte Forderungen gerügt wird oder der nachträgliche Hinweis erfolgt, dass das vorhin Gesagte nicht mit den eigenen Ketteninteressen harmoniere.

Die Leine ist zu kurz
Die Leine zwischen "oben" und "unten" ist einfach zu kurz geworden. Der Freiraum ist vielen zu wenig attraktiv. Anfänglich reizt zwar wenigstens noch der durch die Mitarbeit im Ausschuss zu erwartende Informationsvorsprung. Doch auch dieser zeigt sich irgendwann als nicht ergiebig genug.

Natürlich sind die Chancen sich durch gute Arbeit im Ausschuss zu profilieren nicht geringer geworden, geringer geworden sind die Chancen damit etwas zu erreichen. Beteiligte sehen die Ursachen dazu nicht nur in der Verbandsstruktur, sondern mehr noch in den Personen. Letztere könnten ja Strukturen geschmeidiger handhaben.

Lohnt der Weg nach oben?
Aus Sicht der Reisebüros bietet das Säulen-Modell aber auch "oben" nur eine oder zwei Positionen um etwas zu bewegen. Wenn sich da nun eine Position in die falsche Richtung bewegt, gibt es kaum ein Korrektiv.

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