Die Parallelen im Buchandel und in der Reisebranche

Wer sich einmal die Zeit nimmt, die Entwicklungen im Buchhandel und in der Reisebranche zu vergleichen, wird über die zahlreichen Gemeinsamkeiten erstaunt sein.

Seit 1976 hat der Buchhandel nur Umsatzsteigerungen gekannt, in der Reisebranche setzte der Aufschwung sogar noch früher ein. Doch im Jahre 2001 und besonders im laufenden Jahr rutschte der Umsatz, wenn auch lange nicht so ausgeprägt wie in der Reisebranche, ins Minus.

"Produktionswert und Verlagsumsatz klaffen auseinander." Klingt das nicht nach nicht ausgelasteten Flugkapazitäten und leeren Hotelzimmern?

"Betroffen ist hauptsächlich der klassische Sortimentshandel, die Kunden sind sehr preissensibel geworden und der Umsatz an Taschenbücher nahm um fast 20 % zu. Heute scheut sich kaum noch jemand ein Taschenbuch zu verschenken." Nun, ist die Situation bei den klassischen Reisebüros nicht ähnlich? Sind die Kunden nicht preisbewusster geworden, trägt eine Lastminute-Reise noch den Makel 'sich nichts anderes leisten zu können?'

Auch die Konzentration in der Branche und die Auslese unter den Händlern zeigt deutliche Parallelen zur Reisebranche. Mit Bertelsmann Online (BOL) gibt sogar einer der ganz Großen auf.

Ebenso ist das Thema Kurzarbeit in unterschiedlichen Ausprägungen in beiden Branchen hoffähig geworden.

Wer zudem weiß was er will, der kauft vermehrt online.
Von Anfang an waren Bücher und einfach darzustellende Reisen Schlüsselprodukte für das Internet.
Entsprechend stieg der Online-Umsatz mit Bücher im Jahre 2000 um 129 Prozent und 2001 nochmals um 50 Prozent. Beschwichtigend verweist man darauf, dass dies ja nur 3 Prozent vom Branchenumsatz sind. Doch diese 3 Prozent sind bereits mehr, als der Umsatz voraussichtlich in diesem Jahr nachlassen wird. Außerdem werden an diesen 3 Prozent Umsatz nur einige teilhaben. Die Masse der Händler wird Umsatzrückgänge zu verzeichnen haben, die über dem Branchen-Durchschnitt liegen. Auch hier gibt es treffende Vergleiche mit der Reisebranche.

Doch es gibt auch eine positive Gemeinsamkeit: das Hoffen auf ein besseres 2003.

Nachtrag:
Zur Buchmesse wurden wie immer auch Zahlen genannt. Der Internet-Buchhandel in Deutschland wird nach einem Umsatz von 288 Millionen Euro im Jahre 2001 im laufenden Jahr auf vermutlich 350 bis 400 Millionen Euro anwachsen. Besonders interessant ist jedoch der Hinweis darauf, dass im Internet nicht nur die Größe zählt: 'Neben den wenigen großen Anbietern, erzielen viele kleine Buchhändler steigende Umsätze mit ihrem elektronischen Angebot'. (FAZ 09.10.02)

Im Oktober 2003 war im Internet zu lesen: der Online-Umsatz ist 2002 auf 438 Millionen Euro angestiegen. Das sind nun rund 4,5 Prozent. Der Sortimentsbuchhandel hat dagegen im Jahre 2002 einen Rückgang von 3,4 Prozent hinnehmen müssen. (Die Zahl 438 Mio. wurde Mitte 2004 auf 350 bis 400 Mio Euro reduziert. Trotzdem waren Zuwächse nur im Internet zu verzeichnen).
Laut FAZ 07.10.02 gab es vor zwei Jahren noch 5000 Internet-Buchhändler. Heute sind vielleicht noch 1000 Händler übriggeblieben. In zwei Jahren werden noch 200 am Markt sein. Im Buchgeschäft mit privaten Konsumenten hat das Internet schon einen Anteil von 10 Prozent erreicht.
Marktführer ist Amazon. Nennenswerte Anteile weisen danach nur der Weltbild-Verlag und Buch.de Internetstores auf.

Im Mai 2004 hat der Versandbuchhandel neue Zahlen genannt. Danach stieg der Internet-Umsatz im Jahre 2003 auf 500 Millionen Euro und hat damit etwa 5,5 Prozent vom Gesamtumsatz erreicht.

k_buch.htm - erstellt am 18. August 2002 - ergänzt am 11. Juli 2004