Die Diskussion um den ERSP-Code
Electronic Reservation Services Provider (Identification)

Eigentlich ist der ERSP-Code nichts Neues, zumindest ist er nicht so neu, dass man annehmen könnte, er wäre extra für die verbilligten Online-Tarife der Lufthansa eingeführt worden. Trotzdem beunruhigt das Verlangen der Lufthansa nach Nutzung dieses zusätzlichen IATA-Codes die betroffenen Online-Reisebüros.

Was ist es was beunruhigt, was ist daran berechtigt, was kann verbessert oder abgewehrt werden und sind die möglichen wirklichen Gefahren überhaupt schon genannt worden?

Es ist sicher richtig, dass die Einmalkosten für den ERSP-Code von 200 Dollar und die jährlichen Gebühren in gleicher Höhe sich zumindest für kleinere Anbieter erst einmal rechnen müssen. Schließlich braucht man ERSP im Augenblick nur für ein begrenztes Tarifangebot der Lufthansa. Doch das kann sich rasch ändern.

Weniger verständlich ist die Diskussion darüber, dass die Lufthansa die in den PNRs enthaltenen Post- und E-Mail-Adressen nicht nur zum Direkt-Marketing verwenden könnte, sondern auch anderen Airlines Zugriff auf diese Adressen aus dem Online-Geschäft geben würde.

Weniger verständlich deshalb, weil es doch tägliche Gewohnheit ist, Adressen oder Kontakte in einem Remark-Segment im PNR festzuhalten. Bislang hat diese Praxis noch zu keinem Missbrauch durch eine Airline geführt.

Sicher ist es für eine Airline nicht unmöglich an die bewussten Adressen heranzukommen, doch wenn, dann ganz sicher nur mit einem recht umständlichen Verfahren. Heute erhalten Lufthansa und die anderen Airlines über den BSP nur den sogenannten 'super long record'. In diesem Datensatz sind alle Informationen aus dem Flugschein enthalten. Ein Feld für eine Adresse gibt es in diesem Datensatz nicht.

Sollte es einen anderen Weg geben, um EDV unterstützt die PNRs auf Adressdaten hin zu selektieren (was verneint wird), so könnte die Auswertung dieser PNRs nur aufwendig manuell erfolgen. Grund dafür ist die unstrukturierte Eingabe der Daten im RM-Segment.

Ein weiteres Hindernis würde der Datenschutz bereiten. Die Lufthansa hätte bei entsprechenden Marketingaktionen sicher einen großen Erklärungsbedarf hinsichtlich der Herkunft der verwendeten E-Mail-Adressen.

Wer trotzdem weiterhin Bedenken hat, der muss einen Weg suchen, um die bei Online-Buchungen für das Fulfillment zwangsläufig notwendige Adresserfassung abzusichern. Da kann eine andere Datenbank, ein Confidential Remark oder eine andere Lösung in Frage kommen. Manches ist dabei auch von den Möglichkeiten der IBE und ihrem Zusammenspiel mit dem CRS abhängig.

Das dies unterschiedlich ist, hat man deutlich in der Einführungs- phase von ERSP feststellen können. Opodo, welches mit Planitgo eine Amadeus Booking Engine nutzt, konnte früher die Online-Tarife der Lufthansa anzeigen als die Third-Party-Software anderer Buchungsmaschinen, die auf mittlerweile unterschiedliche API-Versionen aufsetzen.

Im Übrigen werden täglich rund 30 000 PNRs mittels der Start PCS Office Schnittstelle als Information oder Bestätigung an die Reisenden geschickt. Sie alle enthalten wertvolle E-Mail- oder Fax-Adressen. Bis jetzt hat es noch niemand gestört.

Etwas bleibt aber vielleicht dennoch, nämlich der Verdacht der Adress-Weitergabe. Auch dies ist nichts Neues. Bereits seit einigen Jahren verkauft Amadeus (nicht Lufthansa) die sogenannten MIDT-Daten an andere Airlines. Dieses Marketing Information Data Tape enthält jedoch keine Kunden-Adressen.

Richtig ist dagegen, dass die Lufthansa in Zukunft nicht nur genau weiß, welche oder wie viele Buchungen über das Internet kommen, sondern auch genau von welcher Agentur. Das kann jedoch auch zum Vorteil Umsatz starker Online-Reisebüros führen. Ob es dagegen einmal Einfluss auf angepasste Vertriebskonditionen hat, ist eine andere Frage.

Als MIDT übrigens seinerzeit bei Amadeus eingeführt wurde, haben der DRV und etliche andere europäische Reisebüro-Verbände heftig dagegen Stellung genommen. Doch leider ohne Erfolg.

Wer sich noch genauer über ERSP informieren will, kann dies im Internet unter iata.org tun. Die beiden das Thema betreffenden Resolutionen sind 898a und 784. Dort ist u.a. auch beschrieben, was die Airlines mit ERSP alles kontrollieren und auswerten können.

k_ersp.htm - erstellt am 25.September 2002 - geändert am 18.Oktober 2002