Wie wählt man den richtigen Provider für die Homepage?

Ein gutes Wörterbuch übersetzt den englischen Ausdruck ‘provider’ mit ‘Versorger’. Doch wer wird mit was versorgt?

Mit der Akzeptanz und Verbreitung des Internets waren auf einmal völlig neue Dienstleistungen gefragt. Die elementarste war sicher die Sparte der Internet Provider, wobei dies eher ein Sammelbegriff ist. Gemäß den Tätigkeitsfeldern wurden dann auch bald Begriffe wie Access-Provider, Presence-Provider und Host-Provider geprägt.

Die bekanntesten und deshalb sicher teuersten Zugangs-Provider sind die Online-Dienste AOL, Compuserve und T-Online. Im Gegensatz zu ausschließlich Einwahl liefernden Unternehmen, bieten sie auch noch redaktionell aufgearbeitete Inhalte im Internet an. Ob diese Inhalte hilfreich sind, muss jeder selbst herausfinden. Mancher empfindet die Einwahlprozeduren bei den Online-Diensten sogar lästig. Auf jeden Fall sind klassische Zugangs-Provider fast immer billiger. Zumindest habe ich bis heute noch keinen überregionalen Anbieter entdeckt, der den hochgerechneten Stundenpreis von 1,14 DM von Mobilcom/Freenet unterbietet.

Der Internet-Access- oder Zugangs-Provider ist es, der uns mit dem versorgt, was wir im Umgang mit dem Internet am häufigsten nutzen: Die Möglichkeit zur Einwahl über eine Telefonleitung. Für Unternehmen mit größerem Bedarf gibt es hier natürlich auch noch Alternativen.

Der Internet-Presence-Provider hingegen gestaltet und betreut Unternehmensauftritte im World Wide Web.

Der Host-Provider
Wer jedoch selbst im Internet mit einer Homepage präsent sein will, kommt nicht ohne einen Host-Provider aus. Er ist es, der auf seinem Server Platz für Ihre Homepage zur Verfügung stellt. Sein Server ist es auch, der direkt mit dem Internet verbunden ist und dadurch erst die Homepage für jedermann zugänglich macht. Häufig spricht man bei dieser Dienstleistung auch von Webhosting oder Webspace.

Natürlich gibt es auch Provider, die gleich mehrere dieser Dienst- leistungen abdecken. So bietet heute fast jeder Zugangs-Provider auch den Platz für eine Homepage an. Für eine private Homepage sind diese Angebote fast immer mehr als ausreichend, ob eine gewerbliche Nutzung jedoch gestattet und die angebotenen Leistungen dafür ausreichend sind, sollte man sehr genau prüfen.

Es ist auch sicher überlegenswert getrennte Provider für Zugang und Hosting auszuwählen. Man ist dadurch flexibler und kann leichter mit dem Markt gehen. Es macht aber auch deutlich, wie sorgfältig die Auswahl des Host-Providers zu geschehen hat. Ihn auszuwechseln ist stets mit viel Aufwand verbunden.

Worauf ist nun im Einzelnen zu achten?

Speicherplatz
Zuerst natürlich auf einen ausreichenden Speicherplatz für die Homepage. Mittlerweile bereitet dieser Punkt jedoch kaum noch Probleme. Die meisten Provider stellen heute Kapazitäten von 200 MB und mehr zur Verfügung. Geht man einmal davon aus, dass eine einzelne Seite mit wenig Grafik 10 KB groß ist, dann würde man für 100 Seiten gerade erst ein MB verbrauchen. Bis auf Ausnahmefälle werden die 200 MB also bestimmt ausreichend sein.

Qualität der Anbindung
Sehr wichtig um angehende Kunden zum wiederholten Besuch Ihrer Homepage zu veranlassen, ist die Qualität der Anbindung des Providers an das Interent. Man kann sich über die Performance selbst leicht einen Eindruck verschaffen, indem man einige Seiten von Kunden des Providers anwählt.
Noch besser ist es, dies zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Zugangs-Providern zu tun. Die notwendigen Adressen erfährt man häufig auf der Web-Site des Providers unter ‘Partner’ oder man muss danach fragen.

Transfervolumen
Ein anderer bedeutender Punkt ist die im Grundpreis eingeschlossene Transferkapazität. Hier werden mit 20 bis 25 GB inzwischen jedoch recht annehmbare Datenvolumen angeboten. Was verbirgt sich hinter den Zahlen?

Angenommen ein Reisebüro hat eine Homepage mit 50 Seiten die insgesamt ein halbes MB groß ist, dann könnte die komplette Seite rund 40 000 mal aufgerufen werden um 20 GB zu verbrauchen. Nun werden bestimmt nicht alle Nutzer auch alle Seiten aufrufen, andererseits können jedoch aufwendige Grafiken das Volumen belasten. Es ist auch noch nicht lange her, da waren nur Volumen von 2 GB eingeschlossen. Es kann daher wichtig sein zu klären, wie ein eventueller Mehrverbrauch durch eine unerwartete Kundenakzeptanz berechnet wird.
Noch besser wäre ein unbegrenztes Datenvolumen.

Die Domain
Damit man aber im Internet überhaupt gefunden wird, benötigt man eine Internet-Adresse. In der englischen Kurzform wird diese mit URL bezeichnet und im täglichen Sprachgebrauch meistens mit Domain.

Die Besorgung und das Einrichten einer Internet-Adresse muss zum selbstverständlichen Angebotsumfang eines Providers gehören. Die Kosten dafür sind durch den starken Wettbewerb unter den Providern inzwischen fast auf Null gesunken. So sind bereits bei zahlreichen Providern alle Domain-Kosten im monatlichen Paketpreis enthalten, andere berechnen lediglich eine einmalige Einrichtungsgebühr von vielleicht 100 Mark. Wieder andere verlangen geringe monatliche Beträge von rund 2 Mark.

Nicht mehr ganz so einfach ist es inzwischen einen passenden Namen für die Internet-Adresse zu finden. Alleine unter der Top-Level-Domain ‘de’ für Deutschland, sind ja bereits rund 2 Millionen Adressen vergeben. Vielleicht hilft hier der Ausweg auf eine Adresse mit einer internationalen Top-Level-Domain wie ‘com, net’ oder andere. Ein guter Provider besorgt auch solche Adressen.

Überlegenswert ist auch die Verwendung von mehreren Adressen. Einige Provider haben sich schon der Nachfrage angepasst und bieten in ihren Paketpreisen bis zu 7 Internet-Adressen an.
Wofür dies gut sein kann?

Bei geschickter Namensgebung kann so das Auffinden in den Suchmaschinen erleichtert werden. Auch kann man von Nutzern verursachten Tippfehlern vorbeugen und erreichen, dass unabhängig von der Eingabe ‘www.mbooker.de’ oder ‘www.mbookers.de’ ein Nutzer immer auf der richtigen Seite landet und kauft.

Absolut unverzichtbar ist, dass das eigene Unternehmen als Domain-Inhaber eingetragen wird. Dies kann man auf den Seiten des Deutsches Network Information Center (DENIC) ‘www.nic.de jederzeit selbst überprüfen. Sicherheitshalber ist auch festzuhalten, dass bei einem eventuellen Providerwechsel, die Adresse freigeben wird.

E-Mail
Ein weiteres Basisprodukt der Provider ist die E-Mail-Funktionalität. Die Anzahl der dabei angebotenen E-Mail-Adressen ist sehr breit und reicht bis zu einigen Hundert. Selbst wenn man alle Mitarbeiter mit einer eigenen E-Mail-Adresse ausstatten möchte, dürfte es selten zu Engpässen kommen. Zu beachten ist, dass es sich um POP3- Adressen handelt und der Provider einen entsprechenden Mail-Server mit Postfächern anbietet. Auch die E-Mail Weiterleitung muss unterstützt werden.

Noch besser ist es, wenn bereits das neue IMAP4 (Internet Message Access Protocol) unterstützt wird. Damit kann man vereinfacht ausgedrückt, seine Mail bereits auf dem Mail-Server lesen und bearbeiten.

FTP-Zugang
Für die notwendige ständige Aktualiserung der Homepage benötigt man einen FTP-Zugang. Mit einem File Transfer Protocol-Programm werden die geänderten Seiten (Dateien) der Homepage auf den Server des Providers geleitet. Dies hat den Vorteil, dass man Updates in Ruhe und Offline vorbereiten und dann recht einfach und schnell einspielen kann.

CGI-Unterstützung
Auch auf eine CGI-Unterstützung sollte man unbedingt achten, selbst wenn man sie im Augenblick noch nicht benötigt. Doch mit der Zeit und der wachsenden Erfahrung entstehen fast immer auch neue Anforderungen.

Die CGI-Funktion hat Bedeutung für die Kopplung des Web-Servers mit externen Programmen oder Datenbanken.

Frontpage Unterstützung
Wenn beabsichtigt ist, die Homepage mit Hilfe des Editors Frontpage zu erstellen, so empfiehlt sich auf eine entsprechende Unterstützung durch den Host-Server zu achten.

Statistiken und Auswertungen
Um es vorab zu sagen, es genügt nicht einfach eine Homepage ins Netz zu stellen und auf den Erfolg zu hoffen, man muss den Web-Auftritt auch mit einem entsprechenden ‘Web-Marketing’ begleiten. Etliche Provider bieten entsprechende Unterstützung an. Diese beginnt mit der Bereitstellung von einfachen abrufbaren Statistiken und endet bei umfangreichen Logfiles, die man mit entsprechenden Programmen dann selbst auswerten kann.

WebSuxess ist ein derartiges Tool. Die kleine StartUp Edition wird von manchen Providern sogar kostenlos zur Verfügung gestellt.

Was macht man damit?
Die Software wertet die Logfiles aus und gibt Auskunft über die Anzahl der Besuche, aus welchen Ländern, über welche Suchmaschinen, mit welchen Browser, welche Seiten wurden häufig, welche Seiten wurden nie aufgerufen, und vieles mehr. Entsprechend kann man dann seine Schlüsse ziehen und reagieren.

Verschiedenes
Ratsam ist es sicher auch auf Punkte wie, Support, Datensicherung, Ausfallsicherheit, Kündigung und den AGBs zu achten.

Was darf das alles kosten?
Wie schon erwähnt ist ein Providerwechsel mit viel Aufwand verknüpft. Die Auswahl sollte daher sehr sorgfältig sein und neben den oben erwähnten technischen Vorgaben auch den Blick auf Seriosität und wirtschaftlichen Hintergrund des Anbieters nicht außer Acht lassen. Trotzdem muss es keinesfalls mehr als fünfzig Mark im Monat kosten.

k_host.htm - erstellt am 02.August 1999 - geändert am 03.September 2000