Klage gegen Partnerprogramme eingereicht

Auf Veranlassung des DRV hat die Bad Homburger Wettbewerbszentrale am 28. Mai 2003 Klage beim Frankfurter Landgericht in Frankfurt eingereicht. In einem Musterverfahren soll geklärt werden, ob derartige Partnerprogramme mit Provisionsauszahlungen an jedermann zulässig sind oder aber gegen Wett- bewerbsrecht verstoßen.

Völlig unabhängig davon wie das Verfahren ausgeht frage ich mich, ob hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Handelten die Reisebüros, die sich beim DRV über diese Programme beschwerten aus Hilflosigkeit oder mangelndem Unternehmertum? Oder glauben sie, dass sie sich nun wieder beruhigt zurücklegen können und Recht und Ordnung bald wieder für eine auskömmliche Vertriebslandschaft sorgen.

Spätestens seit 1995 wurden dem Handel und der Wirtschaft immer wieder eindringlichst erklärt, welche gewaltige Veränderungen das Internet mit sich bringen wird. Doch wer hörte damals schon darauf. Einige jedoch haben die Chancen rechtzeitig erkannt und haben kleine oder große Lösungen gefunden um dort zu sein, wo ihre Kunden sind. Dazu gehören sicher auch die Partnerprogramme, die es in der Reisebranche seit ungefähr 1998 gibt. Fünf Jahre lang hat es also niemanden gestört, warum jetzt?

Jeder weiß, dass es diese Programme in fast allen Warenbereichen, sogar in der Kreditwirtschaft und im Versicherungswesen gibt. Dort stört es niemanden. Oder hat man je gehört, dass gegen Amazon geklagt wurde? Dabei ist Amazon mit Partnerseiten im sechsstelligen Bereich geradezu das klassische Paradebeispiel (für gekonntes Marketing). Denn ehrlich, wenn Sie ein Buch im Internet kaufen wollen, klicken Sie dann auf der Seite vom Teeladen den Button von Amazon an oder gehen Sie von Anfang an zu Amazon?

Und genau hier liegt das Problem. Wenn es einem Reisebüro nicht gelingt seine Kunden, in welcher Form auch immer, an sich zu ziehen und zu binden, dann ändert auch der Staat und der liebe Gott nichts daran. Wenn es einem Reisebüro nicht gelingt einem Kunden zu vermitteln, welchen Mehrwert er im Reisebüro erhält, anstatt der paar Euro Partner-Provision, dann hat es vermutlich keinen Mehrwert zu bieten und der Kunde wendet sich berechtigt von ihm ab.

Damit will ich andeuten, dass auf den Seiten der Direkt-Anbieter sicher weit mehr gebucht wird, als auf den Partnerseiten einiger Reisebürokollegen. Dafür sorgt schon die Tatsache, dass auch die Katalogpreise immer häufiger Anpassungen unterliegen. So kann ein interessanter Endpreis oft mehr reizen, als ein paar Prozente Provision, die ein Kunde im Übrigen vielleicht trotzdem in einem Reisebüro erhält, welches sich gerade kritisch zu den Partner- programmen geäußert hat.

Jede Branche steht heute vor Veränderungen. Nur wer sich rechtzeitig anpasst hat eine Chance. Den Apotheken wird zum Beispiel empfohlen sich zum Gesundheitsberater zu wandeln. Die Zukunft wird nicht mehr bei den rezeptpflichtigen Medikamenten, sondern im OTC-Geschäft gesehen.

In der Spitzengruppe im amerikanischen Online-Markt werden die Direkt-Anbieter langsam aber stetig von den Online-Reisebüros verdrängt. Warum? Offensichtlich bevorzugen die Kunden ein neutrales und umfassenderes Angebot. Entwicklungen zum Nach- denken und zum Handeln.

Das DB-Partnerprogramm zahlt zwar keine Provisionen, lockt dafür jedoch mit den begehrten Diensten eines Routenplaners die Surfer auf die Startseite der DB-Reiseauskunft. Ob jedoch ein Anbieter mögliche Kunden durch kleine Prämien oder durch andere Mehrwerte seinen Mitbewerbern wegnimmt, müsste doch eigentlich gleich sein und mit zum Gegenstand der Klage werden.
Natürlich denke ich nicht ernsthaft daran, doch das Beispiel zeigt, wie wenig die Klage zu den Nutzungsmöglichkeiten des Internets passt.

Übrigens wurde kein offizielles Ergebnis der Klage bekanntgegeben. Vermutlich hat man sich vergleichend geeinigt.

k_klage.htm - erstellt am 16. Juni 2003