E-Mail
ein unverzichtbares Kundenbindungsmittel

Sind Sie sicher, dass die folgende Geschichte nicht in Ihrer Stadt hätte erlebt werden können?

Ich freue mich auf Lissabon. Es werden zwar nur ein paar Tage sein und vorbereitet bin ich auch noch nicht, trotzdem tut mir mein spontaner Entschluss gut. Wie kam es dazu?

In dem Newsletter eines Informationsdienstes, den ich regelmäßig in meine Mailbox geschickt bekomme, fiel mir sofort das attraktive Angebot auf. Die Bedingungen waren akzeptabel und der Preis mit 365 DM ausgesprochen günstig. Natürlich stand die Telefonnummer verlockend nahe daneben. Den Rest können Sie sich denken!

Ein wenig selbstkritisch habe ich mich später gefragt, ob ich diese Reise nicht auch in meinem Reisebüro bekommen hätte. Ich will dies nicht ausschließen, obwohl ich fast sicher bin, dass ich es erst gar nicht ver- sucht hätte. Was hätte ich auch verlangen sollen? Ich hatte ja keinen akuten Bedarf, kein festes Ziel. Noch Sekunden bevor ich die E-Mail las, habe ich nicht im Geringsten an die Möglichkeit einer Reise gedacht. Erst die persönliche Nachricht an mich, an den Entscheidungsträger, löste die Reaktion aus.

Eine Zeitungsanzeige kann ähnlich wirken, aber eben nur ähnlich, und meist viel zu spät.

Inzwischen werde ich bereits von mehreren Absendern mit solchen Rund- briefen versorgt. Interessant, wie sich mancher bemüht seine Angebote reizvoller zu gestalten. Da wird eine Reise nach Malta nicht nur mit einem günstigen Preis angeboten, sondern auch mit Informationen über die aktuellen Temperaturen, Tipps für Besichtigungen und zum Ausgehen.

Eines ist mir dabei eines Tages aufgefallen. Mein Reisebüro, in welchem ich seit zwanzig Jahren treu meine Reisen buchte, hat mir noch nie eine Mail geschickt. Man hat mich bei meiner letzten Buchung auch nicht gefragt, ob ich eine E-Mail Adresse besitze, und ob sie mir ab und zu etwas mitteilen dürften.

Ich überlegte ob es an meiner Altersklasse liegt, dass ich als 'techno- logiefremd' eingeschätzt werde, oder ist am Ende mein Reisebüro dazu noch nicht in der Lage. Das kann doch eigentlich nicht sein, wo die doch den ganzen Laden voll Computer haben. Aber was machts? Inzwischen habe ich ja durch E-Mail und Internet eine ganze Anzahl anderer Reise- büros nicht nur kennen, sondern wirklich schätzen gelernt.

Ich habe auch gelernt, dass ich per E-Mail fast so gut beraten und auf jeden Fall besser betreut werden kann, als vorher in meinem Stamm- Reisebüro. Vielleicht hängt dies auch damit zusammen, dass der Reise- berater nicht immer voll drauf war, wenn ich eine Reise buchen wollte, da ihn noch ein dringender, unerledigter Vorgang bedrückte. Mit dem E-Mail Verfahren wird der mögliche Druck besser verteilt und ebnet somit, zumindest mental, den Weg für eine bessere Beratung.

So schicke ich meine Aufträge, auch die umfangreicheren alle per E-Mail an das Reisebüro. Auf dem gleichen Weg erhalte ich Vorab-Bestätigungen, Rückfragen, Verbesserungsvorschläge und einmal sogar einen Visaantrag.

Dies alles spielt sich nicht nur recht angenehm und professionell ab, sondern auch noch sehr schnell, für beide Seiten preiswert und doku- mentiert darüber hinaus den ganzen Vorgang.

Vor kurzem erhielt ich (natürlich per E-Mail) eine Einladung zu einem Infoabend über den Südwesten der USA. Ich wäre gerne hingegangen. Aber leider ist es mir zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, wie weit mein Internet-Reisebüro von meinem Wohnort entfernt ist. Schade!

Übrigens, als ich von Lissabon zurückkam, war in meiner Mailbox eine Nachricht von der netten Tanja Winter. Sie fragte an, ob alles geklappt hätte, ich zufrieden war und ob sie mich mal anrufen darf. Ich war sprach- los. Das hatte mein altes Reisebüro mich noch nie gefragt.

Woher ich weiss, dass Tanja Winter nett ist? Sie muss es einfach sein. Wie könnte sie sich sonst so um mich kümmern und eine (Kunden-) Beziehung zu mir aufbauen, ohne mich je gesehen zu haben.

k_mail1.htm - erstellt am 12. August 1999